Die Treffsicherheit der Oldies

In den letzten beiden NBA-Playoffs wurde die Bedeutung der Leistungen jenseits der Drei-Punkt-Linie teils deutlich unterstrichen. Besonders interessant finde ich dabei, dass ein gewisser Spielertyp immer häufiger anzutreffen ist, der früher nicht in dieser Regelmäßigkeit in Erscheinung getreten ist. Spontan denke ich dabei an Matt Bonner und Derek Fisher, aber auch an Spieler mit mehr Einsatzminuten wie Shane Battier und Vince Carter, die sich primär ihrer Stärke “from downtown” besinnen. Ansonsten sind sie relativ unscheinbar aber mit vielen Jahren NBA-Erfahrung ausgestattet. Die Daten beziehe ich von basketball-reference.com und beschränke mich auf die Playoffs der Jahre 2010 bis 2014. Dort finden sich die besten 16 Teams der jeweils abgeschlossenen Saison (Ausnahmen bestätigen die Regel). Die Zahlen der Playoffs 2014 zeigen am deutlichsten, welchen Spielertyp ich meine. Während das Alter aller Playoff-Teilnehmer dieses Jahres im Median bei 27 Jahren liegt, liegt dasjenige der Spieler, die mehr als die Hälfte ihrer Würfe von weit draußen nehmen (bei mindestens 10 Dreipunkt-Versuchen insgesamt in den Playoffs), bereits bei 31 Jahren. Wählt man die Top 20 nach Dreipunkt-Versuchsrate, erhält man einen Median von stolzen 33 Jahren:

age_distribution.png

Während die Playoff-Spieler der letzten fünf Saisonen im Median relativ konstant um die 27 Jahre alt waren, hat sich das bei der uns interessierenden Spielergruppe deutlich geändert:

Tabelle 1: Alter der Playoff-Teilnehmer im Median
  year top25 total
  2014 33 27
  2013 31 27
  2012 31 26
  2011 30 27
  2010 27 27

Die Herren können ihre Wurfauswahl durchaus rechtfertigen: Die Top20 dieser Gruppe kommen im Schnitt auf eine 3FG% von über 42,2 Prozent. Selbst die Top50 liegen noch bei überdurchschnittlichen 39,2 Prozent. Was das Verhältnis der Würfe von draußen zu allen genommenen Würfen angeht, hat es Shane Battier in den Playoffs 2013 auf die Spitze getrieben: Von seinen 93 Field-Goal Attempts absolvierte er ganze 88 von jenseits der Dreipunkt-Linie. Resultiert in einer unglaublichen Quote von knapp 95 Prozent. Bei den verbleibenden fünf Würfen hat er wohl aus Versehen übertreten:

Tabelle 2: Höchste Dreipunkt-Versuchsrate bei mind. 10 Versuchen
TPAR Player Pos Tm Age FGA 3PA 3P PTS year
0.9462 Shane Battier SF MIA 34 93 88 26 103 2013
0.8824 Troy Daniels SG HOU 22 17 15 8 31 2014
0.8551 Keith Bogans SG CHI 30 69 59 25 82 2011
0.8519 Rudy Fernandez SG POR 24 27 23 11 41 2010
0.8333 Steve Blake PG GSW 33 12 10 3 11 2014
0.8214 Daequan Cook SG OKC 23 56 46 16 64 2011
0.8193 DeShawn Stevenson SG DAL 29 83 68 27 94 2011
0.8182 Kyle Korver SG ATL 32 66 54 23 94 2014
0.8 Mike Miller SF MIA 32 45 36 16 58 2013
0.8 Rasual Butler SG IND 34 15 12 5 19 2014
0.8 James Jones SF MIA 33 40 32 15 53 2014
0.7857 Shane Battier SF MIA 33 140 110 42 161 2012
0.7857 Anthony Tolliver SF ATL 27 14 11 7 24 2013
0.7826 Steve Blake PG LAL 30 23 18 6 20 2011
0.775 Carlos Delfino SF HOU 30 40 31 11 45 2013
0.7692 Shane Battier SF MIA 35 26 20 9 37 2014
0.7692 Hedo Turkoglu SF LAC 34 13 10 4 16 2014
0.7667 Chris Copeland PF NYK 28 30 23 11 37 2013
0.7625 Mickael Pietrus SF ORL 27 80 61 28 118 2010

Der Code zur Analyse ist hier zu finden.

Der Anteil der Wohnungskategorie D nach Bezirken in Wien

Im gestrigen Sommergespräch 2014 mit Eva Glawischnig warfen zwei Studiogäste das Thema teils desolater Zustände der Wohnhäuser im 16. Wiener Gemeindebezirk, dem Heimatbezirk der Grünen-Chefin, auf. Die Politikerin, die ihrerseits im 16. an der Grenze zum 17. lebt, entgegnete, dass sich die Lage bereits bessere. Wie es um die Situation in besagten Bezirken tatsächlich bestellt ist, könnte man anhand des Anteils der Wohnungen mit der niedrigsten Ausstattungsstufe ausmachen. Die Zahlen dazu liefert Open Data Wien. Definiert werden vier Wohnungskategorien, wobei Wohnräume der Stufe D nach §15a des Mietrechtgesetzes (vgl. Kurzfassung der Definitionen) weder über eine Wasserentnahmestelle noch über ein WC im Inneren verfügen. Anhand des vorliegenden Datensatzes kann ich den Anteil dieser Wohnungskategorie für den jeweiligen Bezirk bestimmen. In der Visualisierung besteht die Herausforderung v.a. darin, die Polygone für ein Flächenkartogramm zu bestimmen. Um die Grenzlinien der Wienkarte zu zeichnen, benötigt man die entsprechenden Gebietseinheiten, zu beziehen z.B. mit der Shapefile für die Zählgebietsgrenzen.

Der Anteil der Wohnungen, die weder über Bad noch WC verfügen, liegt in Ottakring bei rund 16,5 Prozent:

equipment.png
Abbildung 1: Anteil der Wohnungskategorie D

Ein noch schlechteres Verhältnis wird mit rund 17,5 Prozent für den 15. Bezirk ausgewiesen. Aber auch der 17. Bezirk hat mit rund 13,5 Prozent Aufholbedarf in Sachen Ausstattungsstufe. Besonders niedrig ist der Anteil dieser Wohnungen in den Bezirken 13, 22 und 23. Der Code zur Analyse ist hier zu finden.

Weihnachtliche (P)einsamkeit

Am Heiligen Abend eröffnet uns der Internist Hochholzer in einem Artikel im Kurier: “Das Leid unserer Zeit ist die Vereinsamung”. Im Kontext von Leid und Armut treten vor allem Schande und Scham als bestimmende Anlässe dafür heraus, den freiwilligen(?) Weg in die soziale Isolation anzutreten. Welche Scham verleitet dazu, ein solches Schicksal anzunehmen? Thomas Manns Zauberberg, zu großen Teilen eine Auseinandersetzung mit der Krankheit und ihrem Beitrag zur oder wider die Menschenwürde, liefert nicht nur eine Antwort, sondern zugleich auch eine Begründung:

Wovor und vor wem also duckte und verbarg sich sein ehemals so offener Blick? Wie seltsam, die Lebensscham der Kreatur, die sich in ein Versteck schleicht, um zu verenden, - überzeugt, dass sie in der Natur draußen keinerlei Achtung und Pietät vor ihrem Leiden und Sterben zu gewärtigen hat, überzeugt hiervon mit Recht, da ja die Schar der schwingenfrohen Vögel den kranken Genossen nicht nur nicht ehrt, sondern ihn in Wut und Verachtung mit Schnabelhieben traktiert.

– Thomas Mann, 1924: 567

Gibt das Formen eines Ich - zunehmend auch im Virtuellen - in dem Maße den Ausschlag für Inklusion bzw. Exklusion in sozialen Belangen, wie es unserer Ich-bezogenen Gesellschaft immanent zu sein scheint, zielen die Schnabelhiebe rücksichtslos auf eben diejenigen Schwachstellen, die dem Sozialprestige am ehesten abträglich sind. Und das tun sie in erster Linie verbal. Ein wie auch immer geartetes Anderssein bringt damit zwangsläufig die denunziatorische Ader unserer Mitmenschen in Wallung, der sich zu entziehen der Quadratur des Kreises gleicht. Gerhard Roth, der das Denunziantentum im FM4 Doppelzimmer am Christtag ähnlich harsch verurteilt, findet dafür, sinngemäß, folgende Worte: Das Denunzieren ist einer überwiegenden Mehrheit unserer Mitmenschen eigen. Während wir uns nun ausgiebig darüber ärgern dürfen, besteht die einzig sinnvolle Konsequenz dieser sich ständig und stumpfsinnig wiederholenden Erkenntnis in der Akzeptanz. Im Sich-Abfinden mit seinen Mitmenschen als das, was sie nun einmal sind, und im Entgegenbringen der Wertschätzung trotz dieser scheinbar allzu menschlichen Eigenheit. Und all das, ist man geneigt hinzuzufügen, aus egoistischen Motiven.

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